Die Bedeutung der Kalibrierung im Qualitätsmanagement
Ob im Stahlbau, im Maschinenbau oder in der Kfz-Werkstatt: Schraubverbindungen müssen mit exakt festgelegten Drehmomenten angezogen werden. Ist das Drehmoment zu gering, kann sich die Schraube lösen. Ist es zu hoch, drohen Gewindeschäden oder das Abscheren der Schraube. Drehmomentschlüssel unterliegen durch tägliche Beanspruchung, Erschütterungen und Federverschleiß einer schleichenden Veränderung der Auslösewerte. Eine Kalibrierung stellt sicher, dass das Werkzeug innerhalb der zulässigen Toleranzen auslöst.
"Ein nicht kalibriertes Drehmomentwerkzeug ist ein unkalkulierbares Haftungsrisiko für jeden handwerklichen und industriellen Montagebetrieb."
Die Norm DIN EN ISO 6789:2017
Die Norm DIN EN ISO 6789 regelt die Prüfung und Kalibrierung von handgeführten Drehmomentwerkzeugen. Seit dem Jahr 2017 ist die Norm in zwei Teile gegliedert:
- Teil 1: Anforderungen und Prüfverfahren für die Konformitätserklärung. Hierbei wird geprüft, ob das Werkzeug die Herstellervorgaben erfüllt (in der Regel eine zulässige Abweichung von +/- 4 % für anzeigende oder auslösende Werkzeuge).
- Teil 2: Anforderungen an die Kalibrierung inklusive Bestimmung der Messunsicherheit. Diese Form der Kalibrierung dokumentiert detailliert die Abweichungen des Werkzeugs unter Laborbedingungen und ermittelt die Gesamtmessunsicherheit. Sie ist zwingend erforderlich für zertifizierte Qualitätsmanagementsysteme (z. B. nach ISO 9001).
Kalibrierintervalle und Empfehlungen
Die Norm DIN EN ISO 6789 empfiehlt ein Prüfintervall von **maximal 12 Monaten** oder nach **5.000 Lastwechseln** (Betätigungen). Nach einem Sturz des Werkzeugs, einer Überlastung oder einer Reparatur muss der Drehmomentschlüssel zwingend sofort neu kalibriert und justiert werden, um die Traceability (Rückführbarkeit) zu gewährleisten.
Quelle: Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) – Kalibrierrichtlinien